Nachbereitung Kongress für autonome Politik!?

Der Kongress für autonome Politik ist nun schon ein paar Monate her und bisher gibt es kaum veröffentlichte Beiträge zur Nachbereitung oder Auswertung.
Als Vorbereitungsgruppe haben wir uns dazu entschieden eine schriftliche Nachbereitung aus unserer Sicht zu veröffentlichen. Da es sich aber um einen Kongress für autonome Politik handelt, wollen und können wir eine Auswertung nicht alleine machen.
Unsere Überlegungen alleine, würden weder dem Anspruch autonomer Debatte, noch den vielfältigen inhaltlichen Positionen gerecht werden. Auch können und wollen wir nicht alleine nach einer Perspektive Städte übergreifender Vernetzungen und Debatten, nach den Erfahrungen von zwei autonomen Kongressen, suchen.
Deshalb bitten wir euch darum, dass ihr eure Gedanken, Debatten, Kritiken zu bzw. an dem Kongress und zur Perspektive autonomer Diskussionen aufschreibt und bis Ende des Jahres an autonome-perspektive@nadir.org schickt.
Wir hoffen, dass wir mit unseren und euren Beiträgen eine Broschüre zusammenstellen können, die
eine Fortführung der inhaltlichen Debatten ermöglicht und die Anknüpfungspunkte für weitere Überlegungen zu geeigneten Formen Städte übergreifender Vernetzung und Diskussion bietet.
Also haut in die Tasten, damit es Anfang 2012 so viele Auswertungen und Kritiken gibt, dass eine Broschüre die vielfältigen Perspektiven innerhalb der Debatten des Kongresses und von autonomer Politik widerspiegeln kann.

Die Vorbereitungsgruppe

(PGP-key gibt’s bei http://autonomepolitik.blogsport.de/kontakt/ )

Zum Kongress für autonome Politik Köln

Zwei Monate sind seit dem Kölner Autonomen Kongress vergangen. Ganz so als hätte es ihn nie gegeben, so der Eindruck im Nachhinein. Die Sprachlosigkeit und das Nichtverhalten im Anschluss an den Kongress spiegelt die allgemeine Atmosphäre aus Köln ganz gut wieder.

Ein Rückblick auf den Kongress für autonome Politik vom 17.-19.06.11 in Köln
Damit überhaupt mal etwas geschrieben wird, haben wir uns entschlossen wenigstens unsere persönlichen Eindrücke zur Diskussion zu stellen.

Mit mehreren hundert TeilnehmerInnen (wir schätzen mal so 400-500) waren unsere Erwartungen erfüllt. Es waren alle Altersschichten präsent und die Vorbereitungsgruppe hatte bezüglich der Infrastruktur alles sehr gut vorbereitet. Die Rahmenbedingungen für einen Kongress mit spannenden Debatten im Kölner AZ waren also gegeben. Schon im Vorfeld wurde der angedachte Kongressablauf über die Website transparent gemacht und die Vorbereitungsgruppe hatte einen umfangreichen Vorbereitungsreader zur Verfügung gestellt. Vorab sei gesagt, dass wir die Atmosphäre während des Kongresses und den Umgang miteinander sehr angenehm und solidarisch fanden.

Was uns bereits die Wochen und Tage vor dem Kongress negativ auffiel, war die geringe Anzahl an inhaltlichen Beiträgen die zur Diskussion gestellt wurden. Der Eindruck, dass es nur noch wenige autonome Zusammenhägen gibt, die ihren theoretischen Output zur Diskussion stellen, wurde während und nach dem Kongress bestätigt. Zwar gab es den erwähnten Reader der Vorbereitungsgruppe, wirklich Neues war dort aber nicht zu finden. Auch der „linken Presse“ war der Kongress bzw. eine Kongressankündigung keine Erwähnung wert.

Changing Realities, so der vielversprechende Titel für das Kölner Wochenende. Aufgeteilt in die vier Themenblöcke
1. Momentane Zustände – Braucht autonome Politik Analyse?
2. Die Zustände in Bewegung bringen – Braucht autonome Politik Strategien?
3. Wir stehen dazu – Militanz
4. Mehr als nur zusehen – Die aktuellen Aufstände und die Frage der Solidarität
war ein inhaltlicher Leitfaden geboten, entlang diesem diskutiert werden sollte. Die Behandlung der einzelnen Themenblöcke lief immer nach gleichem Schema. Die Vorbereitungsgruppe erläuterte im Gesamtplenum ihre Thesen zum jeweiligen Block (diese waren schon im Reader zu lesen und lagen auch in gedruckter Form im AZ aus), danach gab es die Möglichkeit hierzu Stellung zu nehmen und Ergänzungen oder sonstige Statements abzugeben. Die eigentliche Debatte lief dann aufgeteilt in Kleingruppen in verschiedenen Räumen. Als Diskussionsdauer wurde eine Stunde eingeräumt, was sich als viel zu knapp bemessen erwies. Danach sollten die Ergebnisse der Kleingruppen im Großplenum vor- und zur Diskussion gestellt werden.

Schon so manche Kleingruppe war so groß (teilweise bis zu 80 Leute), dass eine tiefergehende Diskussion nicht möglich war. Einzelne, gut vorbereitete Personen, ergriffen das Wort während ein Großteil stillschweigend den Stellungnahmen lauschte. Auch die knapp bemessene Zeit verhinderte einen Austausch den es für den Umfang der Themenpalette bedurft hätte. Das Zusammentragen der Gruppenergebnisse im Großplenum bot zwar informative Gesprächszusammenfassungen, bewies aber auch, dass in den anderen Gruppen die inhaltlichen Debatten auf Grund der geschilderten Bedingungen nur oberflächlich möglich waren. Konkrete Ergebnisse oder Grundlagen für weitere Debatten wurden nicht präsentiert. Dies dürfte mit Ausschlaggebend gewesen sein, dass auch im Großplenum keine fruchtbare Diskussion zu Stande kam – falls dies bei einer solchen Personenanzahl überhaupt möglich ist.

Ob die Raumkapazität des AZ an ihre Grenzen gestoßen war, wissen wir nicht. Eine weitere Aufteilung der Kleingruppen auf zusätzliche Räume wäre aber förderlich gewesen. Für zukünftige Kongresse sollte dies im Hinterkopf behalten werden, da nur wenige Zentren die räumlichen Voraussetzungen für einen Kongress dieser Größe bieten.

Prägend für den gesamten Kongress war die Überbreite der vorgeschlagenen Themengebiete. Unter den gegebenen Umständen und Zeitfenstern war es schlicht nicht möglich die Themen inhaltlich zu diskutieren und konkrete Ergebnisse zu erarbeiten. Vielmehr hätte wohl jedes Thema ein eigenes Kongresswochenende füllen können.

Wir hatten unsere Gruppe so aufgeteilt, dass wir parallel an verschiedenen Diskussionsrunden teilnahmen. Auffallend war, dass keine/r von uns den Eindruck hatte, dass es während der Diskussionen zu einem roten Faden kam. Vielmehr wurden Meinungen in den Raum gestellt, teils kurz darauf Bezug genommen und dann schon wieder zum nächsten Diskussionspunkt übergegangen. Die einstündigen Diskussionen verliefen so, unserer Meinung nach, ergebnislos. Zudem gab es Unstimmigkeiten über Begrifflichkeiten aus autonomer Theorie und Praxis. Besonders auffallend war dies beim Thema Militanz. Dazu aber später mehr. Erschwerend hinzu kam der Zeitdruck innerhalb der Kleingruppen. Sobald sich endlich eine Diskussion abzeichnete, wurde diese mit Hinweis auf das Treffen im Großplenum abgewürgt.

Wie bereits dargestellt waren die Umstände nicht die Besten um fruchtbare Debatten führen zu können. Was sich aber als das, unserer Meinung nach, größte Problem herausstellte war, dass sich viele TeilnehmerInnen inhaltlich nicht wirklich auf den Kongress vorbereitet hatten. Hätten sich mehr Leute die Mühe gemacht, den Vorbereitungsreader zu lesen und an Hand der von der Vorbereitungsgruppe ausgegeben Thesen zu diskutieren, wäre der Kongress im Wesentlichen weitaus effektiver gelaufen. So ergab sich permanent das Problem, dass Diskussionsbeiträge weit ab vom eigentlichen Thema eingeworfen wurden. Sehr ärgerlich für die, welche eine Menge Zeit in die Zusammenstellung des Readers gesteckt haben, aber auch ärgerlich für die, die sich inhaltlich im Vorfeld des Kongresses mit den Themen ausgiebig auseinandergesetzt haben. Denn so wie die Diskussionen letzten Endes liefen, wäre eine Vorbereitung nicht nötig gewesen. Denn irgendwie mitlabern konnte so jede/r.

Nicht anders sah es bei der Zusammenfassung der Kleingruppenergebnisse im Großplenum aus. Dort wurden lediglich kurze Protokolle der jeweiligen Gruppen verlesen. Eine Bezugnahme aufeinander erfolgte nicht, stattdessen wurde nach ein paar Wortmeldungen die „Debatte“ für beendet erklärt – meist mit dem Hinweis auf vorhandenen Zeitdruck.

Veranschaulichen möchten wir unsere Kritik am Beispiel des Themenblocks „Militanz – wir stehen dazu“.

Der Block „Militanz“ wurde unserer Meinung nach im Vorfeld u.a. schon durch die Themenbeschreibung (Militanz – Wir stehen dazu) etwas gehypt. Wir sind Autonome – Autonome sind militant – wir stehen dazu. Ein Auszug aus dem Vorbereitungsreader:

„Wir wünschen uns die Wiedererlangung einer militanten Selbstverständlichkeit – im alltäglichen Widerstand und auch in unseren Diskussionen. Eine selbstbewusste Normalisierung und verbreiterte Einübung und Ausübung von emanzipativer Militanz.“

Von der genannten Selbstverständlichkeit sind wir jedoch weitentfernt. Nach mehr als 30 Jahren autonomer Politik scheint Militanz nach wie vor ein Begriff zu sein, der so unterschiedlich definiert und verwendet wird, dass eine Debatte über praktische (!) Militanz in zusammengewürfelten Gruppen, sich nicht bekannter Menschen, unmöglich erscheint. Wenige Tage vor Start des Kongresses gab die Vorbereitungsgruppe noch Empfehlungen und Tipps für die öffentliche Diskussion des Themas. Diese schienen für Leute gedacht, die sich im öffentlichen Raum über klandestine, militante Politik unterhalten wollen, ohne der Gefahr ausgesetzt zu sein sich in verfängliche Situationen zu reden. Doch das damit angesprochene Publikum war scheinbar nicht vor Ort. Es gab weder eine Bezugnahme zur laufenden Militanz-Debatte, noch zur vorangegangenen. Viel mehr wurden Ausweichdebatten geführt: statt über militante Praxis, Probleme bei der Durchführung militanter Aktionen, Auswirkungen und Repression zu diskutieren, wurde eher darüber gesprochen was Militanz sei und was nicht. Während im einen Moment über Sinn und Unsinn des Flambierens von Nobelkarossen diskutiert wurde, folgte im nächsten ein Beitrag über das militante Potential des Vokü-Kochens. Warum wird der Militanz-Begriff so verwässert? Warum will sich jede/r mit dem Label „militant“ schmücken? Was hat die Frage „Ist noch genug Gas in der Flasche um die Kartoffeln zu kochen?“ mit der Frage, ob Gasaki-Anschläge Unbeteiligte unnötig in Gefahr bringen, zu tun?

Auch hier wurde wieder nicht entlang der Kongressthesen diskutiert, sondern es wurde viel mehr ins Blaue geredet, ohne das wohl eine/r der Beteiligten irgendeinen Nutzen daraus ziehen konnte. Nicht anders sah es im Anschluss im Großplenum aus. Nach verlesen der Gruppenprotokolle war klar, dass es auch in anderen Gruppen ähnlich lief. Natürlich wurde auch bei diesem Themenblock die Diskussion in der Kleingruppe, wie auch im Großplenum mit dem Blick auf die Uhr für beendet erklärt.

Diejenigen die bereits militante Aktionsformen praktizieren, werden dies wohl auch weiterhin tun. Diejenigen die mit sich selbst hadern und sich noch in einem Findungsprozess zwischen Sinn und Unsinn militanter Praxis befinden, werden durch den Kongress wohl keinen Push bekommen haben sich in militante Diskussionen einzubringen bzw. ihre Aktionsformen dahingehend zu ändern. Der gesteckte Anspruch muss leider als verfehlt gewertet werden.

Da wir bereits Samstagabend abreisten, können wir nichts über den Ausgang bzw. die Zusammenfassung des Kongress am Sonntag schreiben. In Anbetracht der Umstände gehen wir nicht davon aus, dass es noch zu einem produktiven Ergebnis kam. Mit Spannung erwarten wir die Nachbereitung des Vorbereitungskreises und weitere Einschätzungen von teilnehmenden Menschen. Bis dahin muss sich der oder die Interessierte wohl mit unserer zufriedengeben.

Folgende Eindrücke nehmen wir aus Köln mit:

Es ist beachtlich, dass sich nach wie vor relativ viele Leute für autonome Politik interessieren bzw. sich mit dem Label „Autonome“ identifizieren können. Es ist leider keine Selbstverständlichkeit, dass sich hunderte auf den Weg machen um ein Wochenende gemeinsam zu diskutieren, ohne das praktische Actions in Aussicht stehen.

Welche Ambitionen jedoch bei TeilnehmerInnen vorherrschen, völlig unvorbereitet eine solche Veranstaltung zu besuchen, hinterlässt bei uns Fragezeichen.

Unserer Meinung nach lässt es sich derzeit nicht von einer autonomen Bewegung sprechen. Vielmehr gibt es ein diffuses Sammelsurium an Leuten die sich als undogmatisch, radikal Links, anarchistisch/kommunistisch etc. verstehen.

Gemeinsame Ziele bzw. Strategien sind kaum vorhanden. Offensichtlich gibt es weniger gemeinsame Grundlagen als der Eindruck oft vermittelt. Vielmehr orientiert sich Theorie und Praxis an Begriffen wie „Emanzipation“, „herrschaftsfrei“, „Widerstand“, „Militanz“. In diesen Punkten auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, wäre unserer Meinung nach, das Ziel eines solchen Kongresses gewesen.

Auch ist uns unklar wieso es während des Kongress keinerlei Bezugnahme auf den Autonomen-Kongress in Hamburg 2009 gab. Sollte der Kongress in Köln nicht irgendwo darauf aufbauen bzw. eine Weiterführung darstellen? Falls ja, muss davon ausgegangen werden, dass auch in Hamburg nichts Wirkliches rumkam (Wir waren nicht dort).

Bezeichnend finden wir auch, dass wir noch keinerlei Nachbetrachtungen oder Einschätzungen zu Köln finden konnten. Dass nicht mal auf indymedia ein Artikel platziert wurde, oder sich in der Blogsphäre das Maul zerrissen wird, zeigt auf, dass der Kongress wohl so einige sprachlos werden ließ. Sehr schade!

Insgesamt lässt sich der Kongress wohl als repräsentatives Abbild des derzeitigen Szenezustands betrachten. Dass die beiden linksradikalen Bündnisse mit autonomen Background „…ums Ganze!“ und „interventionistische Linke“ weder vor noch während des Wochenendes in Köln Bezug auf den Kongress nahmen bzw. für diesen warben, zeigt, dass es ein Spektrum gibt, das auf die klassischen Formen autonomer Politik zurückgreifen möchte. Ausgerichtet auf informelle Vernetzung und ohne feste Organisierung. Dass es unter diesem Umständen mehr als schwierig ist, gemeinsame politische Grundlagen zu erarbeiten und emanzipatorische Perspektiven zu entwickeln wurde deutlich.

Wollen wir aber weiterhin darauf aufbauend arbeiten, müssen Wege gefunden werden, wie wir gemeinsame Basics erarbeiten, auf die wir gemeinsam Bezug nehmen können um unsere Standpunkte praktisch und theoretisch weiter zu entwickeln. Denn ohne eine intensivere Debatte über Strategie und Perspektive autonomer Politik ist wohl auch in Zukunft nicht viel zu holen. Ein weiteres Problem, wenn auch kein unbekanntes, scheint uns die mangelnde Nachwuchsarbeit/Wissensweitergabe durch ältere Genossinnen zu sein. Wir haben den Eindruck, dass viele junge Autonome versuchen, „die Alten“ nachzumachen, jedoch die Zeit der 1980er/90er durch die rosa Brille betrachten und keine Schlüsse aus dem Scheitern der damaligen Bewegungen ziehen (können).

Falls ein weiterer Kongress folgen sollte – was wir hoffen – wäre es sicher sinnvoll sich auf nur ein Thema zu beschränken, das dann auch die Möglichkeit bietet sich im Rahmen eines Wochenendes angemessen diskutieren zu lassen.

Lieber nochmal einen Schritt zurück machen und eine Analyse der momentanen Gegebenheiten nachholen. Darauf aufbauend (!) ließe sich bestimmt gewinnbringender arbeiten.

Zum Abschluss noch ein Danke an die Vorbereitungsgruppe die sicherlich viel Zeit und Arbeit in die Vorbereitung und Durchführung des Kongresses gesteckt hat! Wir hoffen, dass unsere Kritik so ankommt wie sie gedacht ist: Solidarisch und in der Hoffnung das weitere, ergiebigere Kongresse folgen!

Ein paar Autonome aus Rhein-Main

Texte, Thesen und Leitfragen

Die weiteren Textbeiträge, die uns zugesendet wurden und die wir in den Thesen mit einfließen lassen, könnt ihr als PDF-Dokument schon vorab für eine bessere inhaltliche Vorbereitung herunterladen:
Reader zum Kongress – Teil 2
In dem Dokument findet ihr auch die Thesen und Leitfragen, die wir für die Diskussionen zusammengestellt haben.

Weitere Textbeiträge

Unter Service haben wir weitere Textbeiträge zusammengestellt und den Themenblöcken zugeordnet. Das sind zum einen Texte, die wir herausgesucht haben, zum anderen Texte die uns bisher zugesendet wurden. Die Liste wird noch weiter ergänzt. Wir werden die Texte in die Inputs und die Diskussionsgrundlagen mit einfließen lassen. Es lohnt sich also auch diese Texte zu lesen …

Anreise

Autonomes Zentrum Köln

Wiersbergstrasse 44
51103 Köln Kalk

Linie 1 & 9 Haltestelle Kalk Kapelle
S12, S13 und RB25 Haltestelle Trimbornstraße

Gemeinsame Anreise aus HH

Schreibt eine Mail an autonome-perspektive@nadir.org, wenn ihr eine gemeinsame Anreise wünscht.
Vergesst nicht die Anzahl der Mitreisenden anzugeben und im Betreff zu vermerken.
Anmeldefrist ist der 05.06., Abreise wäre Fr. 17.06., früh nachmittags.
Ob Gruppenticket oder Bus hängt von der Gesamtzahl der Anmeldungen ab und wird auf dem Blog u. im Schwarzmarkt bekannt gegeben.
Es gibt keine Grantie für eine gemeinsame Anreise, da dies von der angemeldeten Teilnehmer_innenzahl abhängt.

Die Themenblöcke für den Kongress

Unter dem Menüpunkt „Themenblöcke“ findet ihr nun die Ausgangstexte zu den vorgeschlagenen Themenkomplexen.
Es wird rechtzeitig vor dem Kongress auch einen Reader mit den Texten geben – als Druckversion und zum Download unter „Materialien“.

Solltet Ihr eigene Beiträge zu den vorgestellten Themen haben, könnt Ihr diese bis zum 2. Juni unter dem Betreff „Beitrag“ an autonome-perspektive@nadir.org senden.

Und falls Ihr über die vorgeschlagenen Themen hinausgehende Vorschläge und Projekte habt, die Ihr auf dem Kongress vorstellen wollt, bitten wir Euch, uns schon im Vorfeld unter obiger Mailadresse zu kontaktieren, damit wir Zeit haben, diese mit dem Programm und den Räumlichkeiten zu koordinieren.

Einladung

Changing Realities – Kongress für autonome Politik 2011

17. – 19. Juni 2011
im Autonomen Zentrum Köln
(Wiersbergstr. 44, Köln – Kalk)

Gesellschaftliche Zustände verändern sich, wir verändern uns, und wir wollen gesellschaftliche Zustände verändern: Seit dem Kongress für autonome Politik, der 2009 in Hamburg stattgefunden hat, hat das Bedürfnis nach gemeinsamer Verständigung und Vernetzung für viele von uns stetig zugenommen. Das liegt – aus Sicht der Vorbereitenden des diesjährigen Kongresses – zum einen an den sich rasant zuspitzenden und in zunehmenden Maße gewaltförmigen Verhältnissen in der Welt. Zum anderen merken wir, dass es eines Abgleichs unserer persönlichen Lebensverhältnisse und unserer häufig als unzureichend empfundenen politischen Denkmuster und Auseinandersetzungsformen mit eben diesen Verhältnissen bedarf. Zugleich werden – für viele von uns überraschend – immer wieder neue Ansätze von Widerspruch und Auflehnung spürbar, auf die wir häufig nicht angemessen zu reagieren in der Lage sind.

Deshalb laden wir Euch ein, am diesjährigen Kongress für autonome Politik in Köln teilzunehmen, um gemeinsam Fragen zu stellen und uns auf die Suche nach – vorläufigen – Antworten zu machen. Es soll darum gehen, neue und mutmachende Perspektiven zur Veränderung gesellschaftlicher Verhältnisse, aber auch autonomer Politikansätze anzudenken und unsere Handlungsspielräume zu erweitern.

Wie schlagen vor, unsere Fragen anhand der folgenden Themenkomplexe zu entwickeln und zu diskutieren:

1. Momentane Zustände – Braucht autonome Politik Analyse?
2. Die Zustände in Bewegung bringen – Braucht autonome Politik Strategien?
3. Wir stehen dazu – Militanz
4. Mehr als nur zusehen – Die aktuellen Aufstände und die Frage der Solidarität

Als Handreichung – die wir keinesfalls als Setzung verstehen wollen – stellen wir einige Papiere und damit Thesen zur Verfügung, die aus den Diskussionen der Vorbereitenden entstanden sind, ohne dabei deren Konsens widerzuspiegeln. Diese sind in einem Reader zum Kongress zusammengefasst, den Ihr im Vorfeld des Kongresses in Infoläden, sozialen Zentren und ähnlichen Orten erhalten oder auf der Kongress-Seite online unter http://autonomepolitik.blogsport.de/ einsehen könnt. Die vorgestellten Papiere sollen zur Vorbereitung unserer gemeinsamen Suche dienen und uns den Einstieg in die gemeinsame Diskussion erleichtern.

Wir freuen uns auf Euch!

Zum Programm:

Freitag, 17.06.

  • Anreise und Vokü ab 18.00 Uhr
  • 19.00 Uhr:Auftaktveranstaltung

Samstag, 18.06.

  • 10.00 – 19.00 Uhr: (mit Pausen) Themenblöcke (I)
  • ab 20.00 Uhr: Raum für eigene Veranstaltungen Projektvorstellungen
  • ab 22.00 Uhr: Party

Sonntag, 19.06.

  • 10.00h – 15.00 Uhr (mit Pausen) Themenblöcke (II)

Falls Ihr Übernachtungsmöglichkeiten braucht, könnt Ihr diese bei der Schlafplatzbörse (kongress-koeln[at]riseup.net) unter dem Betreff „Schlafen“ anmelden.

Solltet Ihr eigene Beiträge zu den vorgestellten Themen haben, könnt Ihr diese bis zum 2. Juni unter dem Betreff „Beitrag“ an autonome -perspektive(ät)nadir.org senden.

Und falls Ihr über die vorgeschlagenen Themen hinausgehende Vorschläge und Projekte habt, die Ihr auf dem Kongress vorstellen wollt, bitten wir Euch, uns schon im Vorfeld unter obiger Mailadresse zu kontaktieren, damit wir Zeit haben, diese mit dem Programm und den Räumlichkeiten zu koordinieren.

Vorbereitungstreffen für einen „Kongress“ für autonome Politik 2011

Nach dem autonomen Kongress im Oktober 2009 war klar, dass es einerseits ein Interesse an Auseinandersetzungen über die eigene Gruppe, die eigene Stadt oder Region heraus gibt, andererseits aber auch viele Fragen offen geblieben sind, viele Themen höchstens angerissen wurden. Wir würden gerne einige der losen Fäden vom Hamburger Kongress aufgreifen und einen neuen Anlauf starten, um in einem bundesweiten Rahmen eine Verständigung über Ziele, Formen und Schwierigkeiten autonomer Politik anzustoßen. Was uns beim letzten Mal unzureichend erschien: wir sind nicht über eine Bestandsaufnahme hinausgekommen. Ob es gemeinsame Perspektiven gibt und wie die aussehen könnten, wurde kaum angetickt.

Deshalb soll hier vorgeschlagen werden, einen weiteren „Kongress“ (möglichst bereits im Mai 2011 – Ort noch unklar) zu organisieren, der diesmal gezielter an einzelnen Schwerpunkten strukturiert ist. Konkret schlagen wir im Moment drei thematische Bereiche vor, die sich für eine solche Struktur anbieten würden.

1. Krise – Wie erklären und wie interpretieren wir die laufenden gesellschaftlichen und politischen Herrschaftsprojekte? Erleben wir eine Fortsetzung dessen, was seit Jahrzehnten auf der Tagesordnung steht? Oder eher eine Zuspitzung? Was ist neu? Solche Fragen fänden wir gut, gründlicher zu diskutieren und wir schlagen vor, diese Diskussion unter der Überschrift „Krise“ zu führen. Wir glauben nicht, dass sich alles, was uns bewegt, mit diesem Begriff abhandeln lässt, aber einige neuere Tendenzen lassen sich durch eine Kritik des Krisen-Begriffs und seines Einsatzes im politischen Diskurs vielleicht auf den Punkt bringen. Eine thematische Eingrenzung der Diskussion, wie wir sie vorschlagen, ist zwangsläufig verengend. Das finden wir jedoch nicht schlimm, weil es uns nicht darum gehen würde, zusammen an einem Wochenende „alles zu erklären“, sondern darum, eine fokussierte und konkrete Diskussion zu führen. Anders gesagt: Die Herrschaftsverhältnisse, die wir bekämpfen, können wir alle benennen. Hier soll aber zum Thema gemacht werden, wie sie sich momentan konkret formieren.
2. Transformation autonomen Widerstands – Wenn wir feststellen, dass sich unsere Lebens-, Arbeits- und Widerstandsbedingungen und damit auch die „erste Person“, aus der heraus wir Politik machen, verändern, muss das autonome Projekt dann nicht auch neu bestimmt werden? Oder anders gefragt: Welche Perspektiven für emanzipatorische Politik lassen sich unter derzeitigen Bedingungen formulieren? Welche Strategien können wir entwickeln? Müssen wir unsere Praxis und unser Selbstverständnis aktualisieren, und wenn ja wie?
3. Militanz – In den letzten Jahren war begrüßenswerter Weise wieder eine verstärkte militante Praxis zu verzeichnen. Grund genug, Bedingungen für emanzipative Militanz, deren Vermittlung, das Wechselspiel mit anderen Formen, … gemeinsam zu reflektieren. Noch wesentlicher erscheint uns aber, ein militantes Selbstverständnis /Selbstverständlichkeit wieder zu erlangen.

Wir haben drei kurze Texte beigelegt, die grob unsere bisherigen Diskussionen zu den Themenblöcken „Krise“, „Militanz“ und „Transformation“ umreißen, und die hoffentlich ansatzweise vermitteln, weshalb wir die Themen spannend finden.

Bei dem Treffen am 22.1. sollen idealerweise gleich mehrere Fragen geklärt werden:

- Was haltet ihr überhaupt von der Idee, einen neuen „Kongress“ zu organisieren?
- Wie soll die Struktur einer solchen Zusammenkunft aussehen? Ein „Kongress“ oder lieber ein „Seminar“, oder … ?
- Was haltet ihr von dem Vorschlag einer thematischen Eingrenzung?
- Und was von den drei konkreten Themenvorschlägen?

Diese Einladung geht an Szene-Zeitungen, Infoläden und zahlreiche Gruppen. Die Infoläden möchten wir bitten, sie in ihren Städten publik zu machen.

Die Einladung und die Texte